Um das transformative Potential der Werte für die Praxis von Entscheidern und Entscheiderinnen zu erschließen benötigen wir eine Revolution unsers gewohntes Wertbewusstseins. Die bestehenden Widersprüche sind Dreh- und Angelpunkte für gezielte Veränderungen. Kaum jemand nutzt sie. Kaum jemand setzt an ihnen seine Hebel an. Und das, obwohl es gerade im M&A-Prozess brandgefährlich ist Widersprüche gewohnheitsmäßig unter den Teppich zu kehren.

Widersprüche nutzen? Wie soll das gehen?

Widersprüche, bzw. dialektische Denkmuster dienen seit den Anfängen der westlichen Kultur dazu Veränderungen und Konflikte abzubilden. Das Verhältnis, in dem die Widersprüche im System der Werte miteinander stehen, ergibt einen spezifischen kulturellen Code. Das gilt für jede Firma. Kaum ein CEO kennt ihn.

Wer aber den Wertecode seiner Firma kennt und beherrscht, kann bewusst mit ihm arbeiten. Er bietet die Möglichkeit die innere Logik einer Organisation zu entfalten. Er bietet die wirkungs- und machtvollsten Hebel für eine substanzielle Veränderung und die Bearbeitung von Wertekonflikten. Dieser Schlüssel funktioniert für alle drei Faktoren: die Unternehmenspolitik, die Kommunikation und die Strategie.

Philosophisch gesagt ist die Verfassung der Werte dialektisch. Sie bildet dieses spezielle System von Widersprüchen. Das prädestiniert sie dazu diese beiden großen Problemfelder jedes Unternehmens abzubilden: Konflikte und Veränderungen. Wir sind nicht dazu verurteilt bei reinen Dualismen stehenzubleiben. Wir können Wertekonflikte konstruktiv lösen. Das transformative Potential, das die Welt der Werte für unsere Praxis bereithält, ist bis heute – auch nicht ansatzweise – erschlossen. Nietzsche, der Vordenker und Poet, vermittelt mit seinem Megaprojekt der Umwertung der Werte erst eine Ahnung von der existentiellen Tragweite unserer Beziehung zu den Werten.